Als letztes Zeichen des Tierkreises sind die Fische für ihre charmante Art, Chaos in jeder Lebenslage zu schaffen, berühmt und berüchtigt. Die heiligen Narren des Universums widerstehen jeder Ordnung und schaffen Konfusion, wo sie gehen und stehen. Dahinter verbirgt sich eine außerordentliche Sensibilität dafür, dass weltliche Grenzen nur eine Erfindung des Denkens sind. Deshalb zieht der wachechte Fisch erst gar keine.
Fische sind das fahrende Volk, die begnadeten Künstler und die sehnsüchtigen Träumer des Tierkreises, die sich - ähnlich wie die Schützen - an die Materie und ihre Anforderungen erst langsam gewöhnen müssen. In der Kindheit wahre Schneckchen, die in Zeitlupe Regeln lernen und viel lieber ihren Fantasien nachgehen als das zu lernen, was man auf dieser Erde nun mal lernen muss, entwickeln sie nach und nach ihren inneren Wesenskern. Wenn sie dazu nicht feinfühlig und mit viel Sensibilität angeleitet werden, können Fische leicht in Ersatzbefriedigungen für das verlorene innere Paradies abgleiten. Eine Tendenz zu Süchten ist die unangenehme Folge. Unordentlich bis hin zur völligen Ablehnung von irgendeiner Struktur, begreift der Fisch erst mit der Zeit, dass auch er sich der Ordnung und Systematik der Welt beugen muss, wenn er nicht untergehen oder scheitern will. Manche tun es trotzdem und machen dann daraus eine Lebensauffassung, die von stark spirituellen Ansätzen nur so strotzt.
Denn die Fische haben eine göttliche Sehnsucht nach Liebe und Frieden mit in dieses Dasein gebracht, die sie der Menschheit vermitteln wollen. Dass sie das nicht können, ohne die Sprache und Gebräuche der anderen erst einmal kennenzulernen und über eine gewisse Normalität mit anderen in Kontakt zu treten, das begreifen einige Fische erst sehr, sehr spät.
Wer von ihnen das Glück hat, mit verständnisvollen Eltern gesegnet zu sein, die sowohl die kuriosen Gaben ihres Fischleins fördern, wie auch seinen sicheren Stand im praktischen Leben, der entwickelt sich vielleicht zum begnadeten Dichter, Musiker oder Maler. Andere führen ein Leben voller Mitmenschlichkeit in helfenden Berufen. Denn eins kann der Fisch am wenigsten ertragen - das Leiden anderer, das er selbst mit seiner unendlichen Seele, die in einem begrenzten Körper gefangen ist, am besten kennt.
Oft kümmern sich gerade Fische, die jede Verrücktheit als Kreativität verstehen können, in Psychiatrien um Arme, Alte und seelisch Kranke. Denn sie wissen wie keine Zweiten, dass sich hinter angeblichem Durchdrehen oft genug das Gold verbirgt, das die Alchemisten schon im Mittelalter aus der Schwärze destillieren wollten.
Was ist schon normal? Diese Frage hat ursprünglich wahrscheinlich ein Fische-Geborener gestellt. Das bewegliche Wasserzeichen bringt den Hauch des Göttlichen in eine erstarrte Welt, immer wenn sie von Regeln, Normen und Vorschriften erstickt wird.
Darum sollten die Partner solcher sehnsüchtigen Träumer auch Verständnis dafür entwickeln, wenn mal wieder die Waschmaschine nicht ausgeräumt wurde oder der Fisch die Hälfte der Einkäufe vergisst. Vielleicht hat er stattdessen etwas weitaus Wichtigeres auf energetischer Ebene getan: Der Rentnerin ein Lächeln geschenkt oder mit dem Kind von nebenan einer Sehnsucht geteilt, die ihm den Glauben und die Hoffnung an die Erwachsenen wieder zurückgegeben hat.