Wer kennt nicht das Bild der weisen, alten Frau, die mit konzentriertem Blick vor einer leuchtenden Kristallkugel sitzt, um die Geheimnisse des Universums zu ergründen? Schon vor Jahrhunderten wurde die durchsichtige Kugel von den auserwählten Wissenden der Welt zum Hellsehen benutzt. Wie durch eine Lupe die Lesefähigkeit verbessert wird, dient die Kristallkugel dazu, verborgene Zusammenhänge aus den Tiefen der magischen Welt schärfer sehen zu können.
Benutzten die Kundigen zunächst noch eher kleinere Kugeln, um sich in die Tiefe des eigenen Unbewussten einzustimmen und so in die Lage zu kommen, auch fremde Energien besser wahrzunehmen, wurden sie später oft durch große Glasnachbildungen ersetzt. Immer aber diente die Kugel (ein verkörperter und damit mehrdimensionaler Kreis) zur Versenkung und Erinnerung daran, dass alles, was wahr ist, keinen Anfang und kein Ende hat, sondern sich ständig selbst erzeugt und erneuert.
Bevor die erste Kristallkugel entdeckt und benutzt wurde, blickten die Hellsichtigen bewußt in Wasser oder Spiegel, um durch das unbewegte Starren einen Trancezustand einzuleiten. Magier aller Zeiten haben auf diese Weise selbst untalentierten Ratsuchenden manchmal Bilder ihrer Vergangenheit und Zukunft übermitteln können. Es wird gesagt, dass die Kristallkugel sorgfältig und liebevoll gepflegt werden muss und bei entsprechender Aufmerksamkeit wie ein Mensch ist, der mit einem anderen Menschen in sehr eigener Sprache spricht.