Wer sie liebte, nannte sie "die Pythia vom Rhein". Wer sie kannte, nannte sie einfach "Madame Buchela". Sie war eine der großen, weisen Frauen unserer Zeit. Eine der besten Wahrsagerinnen, die je gelebt haben.
Selbst Konrad Adenauer ließ sich von der “Wahrsagerin von Bonn” seine Zukunft (und vielleicht sogar die des ganzen Landes) vorhersagen. Wie sie haben viele Wahrsagerinnen über die Jahrtausende die Mächtigen und Reichen beraten, aber immer auch ein großes Herz für die Nöte der kleinen Leute gehabt. Denn mit ihrem tiefen Blick für die Wahrheit schaut die Wahrsagerin direkt in die Mitte der Wirklichkeit, unabhängig von sozialen Unterschieden.
Schon die "echte" Pythia im Delphitempel hatte eine Sonderstellung in einer Welt, die von männlichen Priestern beherrscht war. Sie allein durfte als Frau den heiligen Ort betreten. Ihre außergewöhnliche Gabe der Sicht in feinstoffliche Bereiche machen jede Wahrsagerin, die ihr Handwerk versteht, zu einer besonderen Figur in ihrem Umfeld. Oft zeichnet sie sich durch eine ungewöhnliche Menschlichkeit aus, da sie mehr vom Leid der vielen Wesen sehen und damit tragen muss, als jeder andere, der allein in seine eigenen Welten verwickelt ist.
Deshalb zieht die Wahrsagerin ihre Kraft dafür zuweilen aus einer engen Verbindung zu den Kräften der Elemente: Erde, Luft, Wasser und Feuer, die sie manchmal auch astrologisch zu deuten versteht. Manche Wahrsagerinnen haben spezielle Bezüge zu bestimmten Tieren oder Pflanzen, zeichnen sich durch Kontakte zu Schutzengeln oder eine tiefe Liebe zu Landschaften aus. Andere leben als Kräuterfrauen unerkannt und hilfreich mitten unter uns. Allen ist eins gemeinsam: Sie fühlen fein. Sie sagen wahr. Die Wahrsagerin ist die Brücke zwischen den Welten.